Drama, Baby! – Katzenabsturz

KatzenbildGestern bekam ich den größten Schreck der letzten Jahre. Ich wachte morgens um 7 Uhr auf, an einem Sonntag. Es war hell und zum Glück nicht so extrem warm wie die Tage davor. Ich hatte einen höllischen Samstag hinter mir und wollte an diesem Tag einfach nur sinnlos im Internet surfen und vielleicht noch etwas Zeit mit meinem Haushalt verbringen.

Es dauerte nicht lange, bis ich merkte hier stimmt etwas nicht. Normalerweise werde ich morgens, sobald ich mich im Bett rege von meiner Katze Jeanie begrüßt. Das knuddelige Fellvieh auf dem linken Bild, steht eigentlich schon im Bett, wenn ich gerade das erste Mal die Augen auf gemacht habe. Man kuschelt etwas und dann wird sich entweder auf meine Hüfte gelegt oder wir stehen gemeinsam auf und schauen was der große Kater macht.
Das fehlte am Sonntag Morgen total. Keine Katze, nur der Kater im Wohnzimmer. Ich wurde unruhig und anstatt nochmal eine Stunde zu schlafen, stand ich auf und suchte. Keine Katze in der Wohnung. Ein Blick zum Fenster… sie wird doch wohl nicht… Nein. Ich wohne seit 2 Jahren in dieser Wohnung und sie weiß, dass das Fenster gefährlich ist. Weiß sie es?

Ich suchte noch etwa eine Stunde jeden Winkel der Wohnung ab, versuchte mit Futter und Leckerlis zu locken, aber Jeanie war nicht da.

Ich hoffte, dass sie einfach nur gut versteckt war und nahm trotzdem meinen Schlüssel und stiefelte im Schlafanzug mit Schluffen herunter. Ich wohne mi 5. Stock und erwartete das schlimmste. Eine Katzenleiche am Straßenrand, weil es eine viel befahrene Straße ist. Aber dort lag nichts und eigentlich war ich erleichtert, weil ich mich bestärkt fühlte in der Annahme, dass sie einfach nur gut in der Wohnung versteckt war und sich einen Scherz erlaubte. Warum sollte man sich melden, wenn die Alte einen rief? Nein, Jeanie zeigt sich nur wenn sie will.

Ich ging trotzdem auf und ab und machte mein Lock-Geräusch und rief ihren Namen und dann. „Miau!“ Der Schock setzt ein. Da maunzt eine Katze, MEINE Katze. Ich kenne den Klang ihres Maunzens und auch wenn es lauter und verzweifelter war, so war das Jeanie, niemand anders. Sie saß IN einem Auto im Motorraum. Sie ist der Typ Katze der Schutz sucht und sich versteckt. Sie kam nicht raus, aufs Verrecken nicht.
Panik ergriff mich. Ich tat das einzige was ich tun konnte und rief die Polizei.
Lange Geschichte kurz erzählt: Die Polizei half nicht. Man ermittelte den Halter, rief ihn an, fuhr vorbei. Niemand da… keiner hilft, die Katze kommt wieder raus auf Wiedersehen.

Ich kampierte hilflos Stunden neben dem Auto, lockte und flüsterte auf die Katze ein. Aber sie kam einfach nicht. Dann am Ende rettete mich mein Handy. (Mein altes schrottiges Handy, das ich nur benutzte, weil mein reguläres dieses Wochenende gestorben ist.) Ich wollte mir nochmal Hilfe bei der Polizei holen, aber 110 konnte ich nicht anrufen. Also nahm ich 112. Feuerwehr… Gott, sie sind meine Helden und sobald ich etwas Geld habe, werde ich irgendwie versuchen, da etwas zu spenden.
Sie kamen, öffneten das Auto (mittlerweile war klar, der Halter ist für mehrere Tage im Ausland) und öffneten die Motorhaube. Ich konnte die Katze rausholen. Sie wehrte sich, sie jammerte, aber ich hielt meine Katze wieder im Arm. Ich dankte ihnen, sie gaben mir noch Tipps wohin ich sie zum Tierarzt bringen konnte. Sie hätten mich gerne noch gefahren, aber da kam dann schon der nächste Großeinsatz, wo die zwei Männer gebraucht wurden.

Als Nebensatz: Ich habe nichts gegen die deutsche Polizei und ich finde sie wichtig und kompetent. Aber gestern habe ich mich einfach verlassen gefühlt, ein Hinweis auf die Feuerwehr hätten die mir auch geben können. Ich hab einfach nicht dran gedacht, wegen dieser extremen Situation. Deswegen war ich doch etwas enttäuscht und deswegen bin ich so froh über die Jungs von der Feuerwehr.

Aber weiter zur Katze. Ich fuhr nicht sofort zum Arzt. Manche Tiere stecken Stürze ja sehr gut weg und ich hatte einfach die Hoffnung, dass Jeanie auch hart im Nehmen war. Oben in der Wohnung war sie ruhiger, aber ich merkte, neben den oberflächlichen Wunden humpelt sie vorne stark. Okay, Katze eingepackt, recherchiert wo die Tierklinik, die mir die Feuerwehr empfohlen hat genau ist und wie ich hin komme. Kleines Glück im Unglück. Ich muss einfach nur in die Sbahn steigen und ein paar Stationen fahren, auch wenn es weiter außerhalb ist. Tasche gepackt, plus Katze und los gestiefelt. Jeanie jammerte natürlich. Sie wollte nicht mehr raus, sie wollte nicht Aufzug und normalen Zug fahren. Das gefällt ihr nicht und überhaupt wollte sie einfach nur schlafen. Ich war eine blöde Alte, dass ich sie einfach so herum trug.

Ich konnte leider nicht wirklich mit der Sbahn durchfahren, sondern hatte einen kurzen Halt im HBF. Sonntag, da läuft nämlich alles etwas anders. Man erntet sehr viele komische Blicke, wenn man mit ner Katze spricht die durchgängig jammert. Besonders wenn man selbst mit den Tränen am kämpfen ist. Ich hatte Angst, das da mehr ist als der Fuß und man mir sagt, dass es keinen Sinn hat und sie eingeschläfert werden muss. Ich hatte Angst, dass mir eines meiner liebsten Wesen durch eine Dummheit genommen wurde. Dummheit von ihr, dass sie sich auf dem Fenstersims herum trieb und Dummheit von mir, dass ich das Schlafzimmerfenster offen ließ, so dass sie nachts unbeobachtet darauf rum turnen konnte.

Dann in der Klinik angekommen erst einmal anmelden, Problem erklären und weiter mit den Tränen kämpfen. Ich bin eigentlich tough im realen Leben, aber traurige Filme und Tiere knacken mich, besonders wenn es mein eigenes Tier ist. Man „drohte“ mir schon, dass ich ein paar Stunden warten müsste, aber in diesem Moment war mir das egal. Ich hab nen halben Tag auf der Straße für Jeanie gesessen, da konnte ich jetzt auch genauso lange neben ihr im Wartezimmer sitzen. Es hat dann nur 15 Minuten gedauert und sie wurde untersucht. Zeit für meinen Kreislauf zusammen zu brechen. Adrenalin weg, Mira kippt fast im Behandlungszimmer um.
Laut der Ärztin hätte sie nichts auffälliges gefunden. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich sie einfach mit nach Hause nehmen können, um die richtige Versorgung dann vom Tierarzt vornehmen zu lassen. Oder aber Röntgenbilder, die dann aber teuer werden würde.
Ich hab jetzt nicht so viel Geld und es ist Monatsende, also hab ich eigentlich kaum noch Geld, aber das war jetzt nicht der Punkt um zu sparen. Ich wollte sicher gehen und hab zumindest ein Bild machen lassen. Was gut war.
Bei Jeanie wurde ein Pneumothorax festgestellt, diesen Begriff kannte ich sonst nur aus diversen Arztserien und das hatte jetzt meine Katze. Luft im Brustkorb durch eine Lungenverletzung. Die Ärztin versuchte mich zu beruhigen. Das wäre nicht schlimm, aber man würde Jeanie jetzt doch lieber hier behalten um sie zu beobachten. Ich könnte sie immer noch mit nehmen, aber es hätte halt Risiken.

Tja, ich hatte ein beschissenes Wochenende mit beschissenem Karma, natürlich würde ich die Katze nicht mit nach Hause nehmen. Jeanie blieb zur Beobachtung da, man zog etwas Luft ab und wartete.

Fazit: 2 Anrufe später von Seiten der Tierklinik. Der Brustkorb hatte sich wieder etwas gefüllt mit Luft, weswegen man ihr ein Ventil legen wollte. Das wurde dann aber wieder verworfen, weil nach einem weiteren Bild zumindest einseitig die Lunge besser aussah, dafür war der Kiefer jetzt ausgerenkt. Der wurde zwar wieder eingerenkt, aber eventuell würde er noch fixiert werden müssen, damit er sich stabilisiert. Holla die Waldfee, was die Katze mit mir anstellt und was sie über sich ergehen lassen muss. Noch dazu hat sie ein verstauchtes Bein.

Im Endeffekt wird das ein teuer „Spaß“, aber ich hab zu keiner Zeit gezweifelt an dem Geld. Auch wenn ich es nicht habe und nächsten Monat von Wasser und Brot und Nudeln leben muss, dann hat es sich gelohnt, wenn Jeanie wieder gesund wird. Heute der Tag war für mich ganz komisch. Ich schwankte zwischen Anspannung, Sorge und einfach Hoffnung. Ich fühle mich so hilflos und ahnungslos, ich würde gerne jetzt die Antwort auf die Frage wissen, wird meine Katze wieder fit? Aber die kriege ich nicht heute, vielleicht morgen, aber vielleicht auch erst in ein paar Tagen. Ich hoffe das beste und tue etwas, das ich schon lange nicht mehr in dieser Art gemacht habe. Ich bete zu Gott… für eine Katze, weil ich sie liebe!

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